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  • Sticky Feuerherz.blog: Worum es hier geht

    Dieses Blog erzählt von Senait Meharis umstrittener Kindersoldaten-Biographie "Feuerherz" - und der Recherche, die dazu führte, dass dieser Bestseller mittlerweile nicht mehr im Handel ist.

    Seiten: 1 2

  • Mehari verliert Zivilklage - Richter sieht "unwahre Tatsachenbehauptungen" in "Feuerherz"

    Nachdem der Verlag Droemer-Knaur Senait Meharis Kindersoldatenbiographie "Feuerherz" schon vor über zwei Jahren vom Markt nahm, hat die Autorin nun den zivilrechtlichen Prozess um zentrale Aussagen des Buchs verloren. Das Landgericht Hamburg gab den Klägern Almaz Yohannes und Elias Benifer in einem erstinstanzlichen Urteil vom 15. Oktober 2010 Recht.

    Kern des Urteils: Mehari darf die Behauptungen über ihre Mitschülerin Almaz Yohannes und das Schullager der ELF nicht mehr wiederholen, das von Elias Benifer gegründet und geleitet wurde.

    Mehari hatte Almaz Yohannes alias Agawegatha als Kommandantin in einem Camp für Kindersoldaten bezeichnet, die Kinder habe erschießen lassen. Auch die Äußerung, bei dem Lager habe es sich um eine Ausbildungsstätte für Kindersoldaten gehandelt, ist nach Ansicht des Landgerichts Hamburg nicht haltbar. Wiederholt Mehari diese Behauptung trotz des Urteils, droht ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro.

    Das Landgericht Hamburg hatte im September einen Vergleich zwischen beiden Seiten vorgeschlagen und nach Angaben von Teilnehmern des Gerichttermins Mehari deutlich gemacht, dass andernfalls ein Urteil im Sinne der Kläger gefällt werde. Die "Feuerherz"-Autorin ist auf dieses Angebot nicht eingegangen.

    Quelle: Pressemitteilung zum Urteil

  • Arte zeigt Feuerherz, den Film - oder: Wie die ARD ihrem Bildungsauftrag nachkommt

    Luigi Falornis Film "Feuerherz" läuft am Mittwoch, 28. Juli, 21.55 Uhr auf Arte. In der Programmankündigung des von Senait Meharis gleichnamigem Buch inspirierten Kindersoldatenmärchens betet der öffentlich-rechtliche Sender alle Klischees nach, die den Film so ärgerlich machen - und mit Hilfe des ARD-Partners, dem Katholischen Filmwerks Eingang in den Schulunterricht finden.

    Dass Arte den Film zeigt, wundert nicht. In "Feuerherz" stecken Steuergelder und Fernsehgebühren. Falornis Film im Archiv zu lassen, käme einer Distanzierung gleich. Also macht sich Arte in der Vorschau auf "Feuerherz" Falornis Position zu eigen, die der Regisseur vertritt, um seinen Film von Senait Meharis inhaltlich fragwürdiger und historisch nicht haltbarer Biographie abzugrenzen.

    "Umstritten war insbesondere der Wahrheitsgehalt der Buchvorlage, dabei hatte Luigi Falorni nicht beabsichtigt, in erster Linie die Autobiografie zu verfilmen. Vielmehr habe er eine universale Geschichte um ein Mädchen, eine allgemeingültige Parabel über das Schicksal von Kindersoldaten erzählen wollen."

    So weit, so lavierend. Aber muss Arte all die Klischees nachbeten, die der Film transportiert, die dadurch aber auch nicht besser werden?

    Arte schreibt: "Es ist ein Film über Kinder, die für den Krieg benutzt und fern von ihren Familien zu Kampfmaschinen erzogen werden." Farloni hat es in seinem Film versäumt, ein differenziertes Bild von der Situation in Eritrea im Bürgerkrieg und dem Umgang der Guerillaorganisationen mit Kindern und Jugendlichen zu zeichnen. Arte übernimmt Falornis holzschnittartige Darstellung und schreibt sie damit unbesehen fort.

    Wie war das noch mal mit den Bildungsauftrag von ARD und ZDF, dem viel beschworenen Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zur privaten Konkurrenz?

    Arte hat gerade den Themenschwerpunkt "Afrika: 50 Jahre Unabhängigkeit" gesetzt. Wie passt ein einhellig als missraten und seinem Anspruch nicht gerecht gewordenes, gleichnishaftes Kindersoldatenmärchen wie "Feuerherz" in diesen Kontext?

    Apropos Bildungsauftrag: Den haben ja auch die Schulen – und dem können sie auch mit Hilfe des Films „Feuerherz“ nachgehen. Das Katholische Filmwerk ,„zentrale Vertriebseinrichtung für audiovisuelle und didaktische Medien der katholischen Kirche“ (zu 100 Prozent in der Hand der Deutschen Bischofskonferenz und von neun Bistümern) bietet Pädagogen den Film als Lehrmaterial an.

    Geeignet ist er nach Ansicht des Filmwerks von der siebten Klassen an, aber auch für die außerschulische Kinder- und Jugendarbeit und Erwachsenenbildung. Denn: Anhand des Film können Lehrer dann nicht nur „das individuelle Schicksal einer Kindersoldatin“ behandeln - „die Rezeptionsgeschichte von Buch und Film stellt auch die Frage nach massenmedialer Verantwortung.“

    Dieser sind meine Kollegin Julia Salden und ich, die wir die Zweifel an Meharis „Feuerherz“ im NDR-Magazin Zapp öffentlich gemacht haben, selbstverständlich nicht gerecht geworden.

    Sagt jedenfalls die 18-seitige Arbeitshilfe zu „Feuerherz“, die das Filmwerk anbietet. Erarbeitet hat dieses Drehbuch für den Unterricht die „Aktion Weißes Friedensband“, die sich mit dem Thema Kindersoldaten befasst und deren Schirmfrau - Senait Mehari heißt.

    Das muss man sich einfach auf der Zunge zergehen lassen: Das Katholische Filmwerk will mit dem Film „Feuerherz“ die Medienkompetenz von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen stärken, will ihnen dabei helfen, sich eine eigene Meinung zu bilden. Und kooperiert dabei ausgerechnet mit einer Organisation, die in der Auseinandersetzung um das Buch und den Film „Feuerherz“ Partei ist und die Arbeitshilfe ausführlich zur Darstellung ihrer Position nutzt.

    Zu den Partnern des Filmwerks zählen übrigens auch ZDF und ARD. Und so schließt sich der Kreis und die ARD kommt mit dem vom Bayerischen Rundfunk und Arte co-produzierten „Feuerherz“ gleich zweimal ihrem Bildungsauftrag nach: Indem sie ihn auf Arte zeigt – und ihr Scherflein zur Entstehung dieses Unterrichtsstoffs beigetragen hat.

    Besonders kurios: Als Partner des Filmwerks unterstützt die ARD eine Arbeitshilfe, die die Arbeit einer ihrer Anstalten, des NDR, auf tendenziöse Art und Weise diskreditiert.

  • FAZ rehabilitiert Almaz Yohannes - diesmal richtig

    Sie hat über zweieinhalb Jahre insistiert. Sie hat sich gewunden, geziert und lange nur in ein, zwei Trippelschritten bewegt.

    Am Ende musste die Frankfurter Allgemeine Zeitung doch klein begegeben:

    "Almaz Yohannes keine Ausbilderin in ELF-Militärcamp"

    ist eine Klarstellung überschrieben, die die FAZ am 12. Oktober 2009 auf Ihrer Website veröffentlichte.

    Damit räumt die Zeitung ein, was exakt so bereits im Februar 2008 auf feuerherzblog.de zu lesen war:

    Der am 21. Februar 2007 in der FAZ veröffentlichte Beitrag „Die Oberkritikerin soll im Lager selbst gesungen haben“ von Karen Krüger ist inhaltlich mehr als fragwürdig.

    Man könnte auch sagen: Die FAZ korrigiert im Nachhinein alle zentralen Behauptungen, die in dem Artikel über Almaz alias Agawegahta aufgestellt wurden. Der Text selbst ist längst nicht mehr online.

    Die FAZ stellt unter anderem klar:

    - Das Camp der ELF, dem Almaz Yohannes und Senait Mehari lebten, war kein Militärlager
    - Almaz Yohannes war keine Ausbilderin von Kindersoldaten

    Zudem wird eine im Artikel geschilderte Anekdote über Agawegahta, die auf einer angeblichen Äußerung eines Zeitzeugen basiert, quasi zurückgezogen.

    Das Eingeständnis der FAZ dürfte nicht nur für Almaz Yohannes ein kostbarer Erfolg sein.

    Es ist auch eine späte und dafür um so süßere Genugtuung für mich.

    Gerade die FAZ hat keine Gelegenheit ausgelassen, die Recherchen über die Glaubwürdigkeit von Senait Meharis Buch "Feuerherz" in Frage zu stellen - und die Debatte immer wieder auf ein Nebengleis zu führen.

    Doch am Ende ist sie damit nicht durchgekommen.

    Mehr zum Thema: Wie die FAZ über "Feuerherz" berichtet hat - ein Überblick

  • Neues Buch von Senait Mehari?

    Dieser Tage im Postfach eine anonyme Mail:

    "senait mehari bringt in mai 2010 ein neues buch raus."

    Gerücht, Fehlinformation oder Fakt? Sachdienliche Hinweise: bitte via Kommentarfunktion.

  • Zwei Feuerherz-Websites offline

    Zwei Websites zu Feuerherz, dem Film, sind nicht mehr am Netz: Die Seite des Verleihers Senator und die Infoseite zu Eritrea, Kindersoldaten und Feuerherz, die einer der Produzenten des Films hatte erstellen lassen. Auf Feuerherz-Info (Link zu allen Feuerherzblog-Beiträgen zur Site) hatten die Filmemacher ihre "Recherchen" zum Thema veröffentlicht.

  • Feuerherz läuft in Österreich – Mit dem Segen der katholischen Kirche, von Care und dem Roten Kreuz

    Luigi Falornis Film "Feuerherz" läuft seit dem 15. Mai in die Kinos in Österreich. Wie in Deutschland haben sich gemein nützige Organisationen gefunden, die mit den Filmemachern kooperieren. Glaubwürdigkeit gegen Publicity - dieser Handel funktioniert auch in Österreich. Ganz vorne mit dabei sind dabei auch NGOs der katholischen Kirche.

    Präsentieren in Deutschland Terre des Hommes und die Aktion Weißes Friedensband den Film, engagieren sich in Österreich:

    - Die Hilfsorganisation Care
    - das Rote Kreuz und seine Jugendorganisation
    und:
    - Horizont 3000, ein Bündnis katholischer Nichregierungsorganisationen wie der Caritas
    - Jugend eine Welt - Don Bosco Aktion, eine katholische Einrichtung der Jugendhilfe

    Der Unterschied zu Deutschland: Wer auf die österreichische Website von „Feuerherz“ schaut, könnte denken, der Film unterstützt die NGOs und nicht anders herum.

    Die Hauptfigur Awet ist an den Rand gerückt, im Zentrum der Startseite stehen die Logos der Organisationen. Darüber der Vermerk „Projekte und Info zum Film“. Ein Klick – und der Weg zu den Selbstdarstellungen der Organisationen ist frei. Das sind dann wohl die Projekte. Und die Infos zum Film? Bestehen aus PR-Texten und Verlosungen.

    Es gibt noch weitere österreichische Besonderheiten. Unter all den Geldgebern von Luigi Falorni ist die Don Bosco Aktion die einzige NGO. Deutsche und europäische Filmförderprogramme bewilligen Zuschüsse allein nach formalen Kriterien. Sie verstehen ihre Unterstützung als Wirtschaftsförderung des europäischen Films.

    Das Engagement der Don Bosco Aktion für „Feuerherz“ ist dagegen ein gesellschaftliches und inhaltliches Statement. Eine von Spenden und Zuschüssen lebende Organisation muss sich dann aber auch fragen lassen, ob es richtig ist, Zeit, Energie und den Vertrauensvorschuss der Öffentlichkeit in einen solchen, auf einem fragwürdigen Fundament gebauten Film zu investieren.

    Das selbe gilt für die österreichische Bildungspolitik. Auch in Deutschland bieten die Filmmacher Materialien für Schulen zum Download an. Anlaufpunkt ist ein als Verein organisiertes Institut. In Österreich werden die Materialien über ein Portal angeboten, das vom Unterrichtsministerium präsentiert wird.

    Es stört nicht, dass Falornis Inspirationsquelle vergiftet ist, seit Senait Meharis angebliche Autobiographie vom Markt genommen wurde. Es macht wohl auch nichts, dass der Film mit historischen Fakten und Eritreas Geschichte mehr als oberflächlich umgeht.

    Das Marketingkonzept der Filmmacher ist in Österreich aufgegangen. Öffentlich alimentierte Stellen machen sich mit dem Kindersoldatenmärchen gemein und verschaffen Luigi Falornis „Feuerherz“ durch ihren guten Namen die sonst fehlende Legitimation - ganz so, wie es ihre Kollegen in Deutschland vorgemacht haben.

  • Zwei Preise für Feuerherz in Montreal

    Luigi Falornis Film "Feuerherz" hat beim Kinderfilmfestival in Montreal zwei Preise erhalten: Den Grand Prix de Montreal der internationalen Jury als bester Film im offiziellen Wettbewerb und den Preis des "Centre international du film pour l’enfance et la Jeunesse" für einen Film, der sich der Rechte von Kindern annimmt.

  • Elsa Kidanes "Weledi" - oder: Wie Eritreas berühmtester Kriegsschlager Teil von Feuerherz wurde

    One of Us" ist die Titelmelodie von "Feuerherz". Senait Mehari singt das Lied. Stephan Massimo hat es geschrieben – allerdings nur zum Teil. Auf diese Weise ist Elsa Kidanes berühmter Propagandaschlager "Weledi", der Eritrea im Kampf gegen Äthiopien zum Durchhalten motivieren sollte, Teil des Antikriegsfilms "Feuerherz" geworden.

    Offenbar war den Beteiligten nicht ganz klar, was und wen sie da zitieren - und das „Weledi“ die Aussage des Titelsongs grundlegend verändert. Auf Anfrage schrieb Stephan Massimo: "One of Us" sei eine Originalkomposition von ihm (Musik & Text), in die ein eritreisches Kinderlied (Traditionell - [sic!]) integriert worden sei. Das Kinderlied habe für „One of Us“ die von Senait Mehari auf Tigrinya gesungene erste Strophe geliefert. Für die zweite Strophe sei das Lied ins Englische übersetzt worden.

    Auf der Plattenhülle steht bezogen auf "One of Us": "Words and Music: Trad./Stephan Massimo - Performed by Senait Mehari".

    Bei dem in "One of Us" eingefügten Song handelt es sich ohne Zweifel um "Weledi" . Der Vergleich des Originals von Elsa Kidane und dem entsprechenden Part von „One of Us“ ist eindeutig (*).

    Von einem Kinderlied/Traditional könne bei „Weledi“ nicht Rede sein, sagen Experten wie Alemseged Tesfai: "'Weledi' ist kein traditioneller Song. Vielmehr handelt es sich um eines der berühmtesten und künstlerisch wertvollsten Liedern, die im Original von Kämpfern der EPLF [Eritrean People's Liberation Front] komponiert wurden".

    Alemseged Tesfai zählt heute zu den bedeutenden Dramatikern und Historikern Eritreas. Im Krieg schloss er sich der EPLF an und war später als Funktionär für die Kulturabteilung der EPLF zuständig. Laut Tesfai entstand "Weledi" zwischen 1980 und 1981. Die Musik stamme von Yohannes Abraha Sengal, der Text von Gebrehiwet "Atnafu" Hagos. Beide seien Mitglieder der Kulturgruppe der 80. Division der EPLF gewesen.

    So berühmt wie der Song ist in Eritrea seine erste Interpretin: Elsa Kidane war im Krieg die Stimme der EPLF. Bis heute gehört sie in der Heimat und den Exilgemeinden im Ausland zu den bekanntesten Sängerinnen. Ein Video, das ca. 1985 entstand, zeigt Kidane, wie sie "Weledi" singt. Die Aufnahmen in Militärdress und mit Arafattuch (Minute 1.16 bis 3.50) geben Aufschluss darüber, wofür der Song damals stand (**):

    Der Clip aus den 1980ern zeigt die Freiheitskämpferin Elsa Kidane. In einer Feuerpause hängt sie Gedanken an Mutter und Vater nach. Das Lied erzählt von unerfüllter Sehnsucht. Die Eltern sind unerreichbar für die Soldaten, die sich in die Bergen aufhalten.

    Das Video präsentiert "Weledi" als Hymne der Soldaten auf ihre Eltern. Die Helden der Front ehren die Helden des Alltags. Was sie trennt ist der Krieg, der Eritrea aus eigener Sicht von Äthiopien aufgezwungen wurde. Was sie eint, ist der Wunsch nach Freiheit.

    Solange Eritrea Teil von Äthiopien war, wurden seine Kultur und Sprache unterdrückt. EPLF und ELF setzten daher gezielt auf Musik, Theater oder Tanz als Symbol der Identität und des eritreischen Freiheitswillens. Songs wie "Weledi" waren Propagandawerkzeuge. Sie halfen beim Schulterschluss von Kriegs- und Heimatfront. Sie erinnerten Truppen und Bevölkerung daran, warum und wofür gekämpft, gelitten und gestorben wurde, sollten die Moral heben und die Bereitschaft steigern, den Krieg weiter zu führen.

    All das passt nicht zu der Aussage von "Feuerherz". „Weledi“ als Teil von Feuerherz – das ist als hätte Tom Cruise „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh'n“ zum Motto von „Operation Walküre“ gemacht. Mit ein wenig mehr Recherche wäre der Lapsus leicht zu verhindern gewesen. Aber das ist im Zusammenhang mit „Feuerherz“ nichts Neues.

    Anmerkung:
    (*) "One of Us" ist im Trailer des Films zu hören.

    (**) Der Text der ersten Strophe von "Weledi" lautet sinngemäß folgendermaßen:

    "Eltern - wie sehr wir euch vermissen / Ihr bleibt immer in meiner Erinnerung / Euch zu vermissen ist sehr hart / Unser Dank gilt euch / Ich kann mich an die Höhen und Tiefen in meiner Leben erinnern, die ich mit euch verbracht habe / Ihr habt mich verwöhnt und mit Freude groß gezogen / Ihr seid Helden, denn ihr seid fleißig wie die Bienen / Die Erinnerung an euch bleibt für immer / Sie kann von niemandem verhindert werden / Mitten im Gebirge habe ich große Sehnsucht nach euch / Der Schmerz ist wie ein Fluss, der nie versiegt"

    (Mit Dank an Mussie)

  • Filmbesprechung: Feuerherz - "Ein einziges Missverständnis"

    In der Badischen Zeitung vom 29. Januar ist meine Besprechung von Luigi Falornis Film "Feuerherz" erschienen - Überschrift: "Ein einziges Missverständnis".

    Weitere Besprechungen finden sich in der neuen Linkliste "Medien_& Feuerherz_09" in der rechten Randspalte des Blogs.

  • Nachgereicht: Diverse Feuerherz-Links

    Im Laufe der Zeit ist Einiges mehr über Feuerherz publiziert worden als bisher in diesem Blog aufgeführt.

    Diverse Links aus den Jahren 2004 bis 2008 werden hiermit nachgereicht.

    Zur Verfügung gestellt hat diese Liste Marco Schäfer - herzlichen Dank!

    Diverse_Links

  • Feuerherz, der Film (17): Making of läuft im Bayerischen Fernsehen

    "Die wohl schwierigsten Dreharbeiten seit Herzogs 'Fitzcarraldo'" kommen ins Fernsehen:
    Die Dokumentation der Dreharbeiten von Luigi Falornis Film "Feuerherz" wird am Mittwoch, 28. Januar, 23.40 Uhr im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt.

    Der Sender ist Koproduzent von "Feuerherz". Und weil dem so ist, findet sich auf der Website des Bayerischen Fernsehens auch noch ein Videointerivew mit Regisseur Luigi Falorni über die Dreharbeiten, die Arbeit mit Flüchtlingen als Schauspielern und was Senait Mehari von dem Film hält.

  • Biographien (5): Wie eine erfundende Holocaust-Liebesgeschichte trotzdem zum Film werden könnte

    Wieder einmal ist eine in Teilen erfundene Biographie aufgeflogen. Wieder einmal spielt sie im Krieg. Und wieder einmal soll der Stoff trotzdem ins Kino kommen.

    Aber der Reihe nach.

    Herman Rosenblats Geschichte geht so
    : Er ist ein neun Jahre alter Junge, den die Nazis im Konzentrationslager Schlieben eingesperrt haben. Sie ist ein Mädchen, das ihm durch den Zaun Äpfel zusteckt und so sein Überleben sichert.

    Zwölf Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg treffen sich die beiden bei einem Blind Date in New York wieder und heiraten. 50 Jahre später sind sie immer noch ein Paar.

    Diese Holocaust-Liebesgeschichte ist einfach zu schön um wahr zu sein. "Angel At The Fence" ist mittlerweile als Fälschung entlarvt. Der Verlag Berkley Books, der das Buch in den USA veröffentlicht wollte, hat seine Pläne auf Eis gelegt.

    Und wie sind Rosenblats Memoiren aufgeflogen, deren Unglaubwürdigkeit von Bloggern wie der Historikerin Deborah Lipstadt bereits im Dezember 2007 aufgedeckt wurde?

    "Holocaust-Experten war aufgefallen, dass Details der Geschichte nicht stimmen konnten. So sei es in Schlieben aufgrund der Anordnung des Lagers gar nicht möglich gewesen, dass sich das Paar hätte am Zaun treffen können," schreibt Spiegel Online.

    Die Produzenten Harris Salomon und Abi Sirokh wollen aus dem Stoff trotzdem einen Film machen. Die Dreharbeiten in Ungarn sollen im März 2009 beginnen. Das romantische Drama soll 2010 ins Kino kommen.

    In einer Stellungnahme hat Salomon erklärt
    , warum er an den Filmplänen festhält:

    "Während das Buch "Angel at the Fence" die wahre Lebensgeschichte Rosenblats sein sollte, war der Spielfilm "The Flower of the Fence" immer als lose und fiktionalisierte Adaption des Stoffs gedacht. Deshalb glauben die Produktionsfirma AOP und ihre Partner, dass ein Spielfilm die Integrität und Schönheit der Geschichte erhalten kann.

    Die Wahrhaftigkeit dieser Geschichte von Hoffnung und Liebe in einer Zeit unglaublichen Leids bleibt auch dann eine Inspiration, wenn sie auf der fiktionalen Erzählung des Lebens eines Mannes und seiner Fantasie beruht."

    Kommt die Argumentation irgend jemand bekannt vor?

    Ähnlichkeiten mit anderen Filmprojekten sind natürlich rein zufällig.

    (ergänzt am 31.12.08)

  • Warum Falornis Film so heißt wie Senait Meharis Buch

    Ein schönes Zitat aus dem Presseheft zu Luigi Falornis Film "Feuerherz", der von Senait Meharis gleichnamigem, vom Markt genommenen Bestseller inspiriert wurde.

    Frage: "Inspirationsquelle war ein Buch, das sehr umstritten ist. Was sagen Sie zu den Vorwürfen?"
    Falorni:
    "Es gibt Passagen im Buch, deren Wahrheitsgehalt sich in der Tat nicht nachweisen lassen. Aber die Kernaussage dieses Buchs bleibt unberührt: Es ist eine historische Tatsache, dass Kinder und Jugendliche am eritreischen Befreiungskrieg beteiligt waren.Ich habe selbst beim Dreh zu spüren bekommen, wie dort Einschüchterung funktioniert. Deshalb wollte ich, dass der Film genauso wie das Buch „Feuerherz“ heißt, auch wenn er im Grunde nur davon inspiriert ist. Die Autorin Mehari hat dieses Thema als erste Eritreerin an die Öffentlichkeit gebracht und damit viel Zorn von der eritreischen Gemeinde auf sich gezogen. Das hat bisher kein Eritreer gewagt. Der Filmtitel drückt meine Anerkennung für den Mut der Autorin aus."

    Als der Film 2008 auf der Berlinale lief, gab es übrigens noch ein Argument, warum sich Film und Buch den Namen teilen.

    Bei einem Podiumsgespräch zum Thema "Einen Bestseller in einen Wettbewerbsfilm verwandeln und sich für eine Strategie zu entscheiden, um ihn zu verkaufen" fragte Moderator Peter Cowie den Filmproduzenten Andreas Bareiss:

    "Wird  der Verleger des Buchs mit Ihnen zusammenarbeiten um den Film zu bewerben, wenn er in Deutschland ins Kino kommt?

    Andreas Bareiss: "Ja, als allererstes wird der Verlag das Buch neu auflegen und dafür Standfotos und einige Geschichten rund um den Film verwenden. Auf unsere Marketingstrategie wird das aber keinen Einfluss haben. Es ist eher andersrum: Wir werden dem Verlag dabei helfen noch mehr Bücher zu verkaufen."

    Daraus wird wohl nichts mehr werden. Es sei denn, Droemer Knaur hat seine Finger im Geschäft mit "Feuerherz"-Exemplaren aus zweiter Hand.

  • Feuerherz, der Film (16): die üblichen Verdächtigen oder: zwei gemein nützige Präsentatoren

    Das Eritrea-Hilfswerk in Deutschland hat einer Kooperation mit den Machern von Luigi Falornis Film "Feuerherz" wie berichtet eine klare Absage erteilt, weitere Institutionen haben ihr Logo bereits in der Vergangenheit von der Website eines der Filmproduzenten entfernen lassen.

    Andere gemeinnützige und durch Spenden finanzierte Organisationen unterstützen den von Senait Meharis vom Markt genommenen Bestseller inspirierten Film.

    Die Aktion Weißes Friedensband - deren Schirmherrin Senait Mehari ist - und das Kinderhilfswerk Terre des Hommes, das bereits in der Vergangheit mit Senait Mehari zusammenarbeitete, sind als Präsentatoren auf dem Filmplaket von "Feuerherz" vertreten - etwas anderes war bei beiden auch nicht zu erwarten.

  • Feuerherz, der Film (15): Senait Mehari singt Titelsong

    "One Of Us" heisst der Titelsong des Films "Feuerherz".

    Gesungen wird er von - Senait Mehari, die bei dem Lied mit dem Soundtrackspezalisten Stephan Massimo zusammen gearbeitet hat.

    Ein Auszug aus dem Text des Songs:

    "… Eltern, ihr seid immer vermisst,
    stets hab ich Euch vor meinen Augen,
    euch zu vermissen ist ein Alptraum,
    euch zu lieben ist himmlisch,
    liebe Eltern, seid von uns Kindern immer gegrüßt..."

  • Feuerherz, der Film (14): Warum das Eritrea-Hilfswerk nichts mit Luigi Falornis Film zu tun haben will

    Das 1976 gegründete Eritra-Hilfswerk (EHD) ist Deutschlands älteste von privat ins Leben gerufene Organisation, die dem afrikanischen Land humanitäre Hilfe leistet.

    Das ist der Agentur 3Rosen aufgefallen, vom Senator Verleih beauftragt mit der „Planung, Entwicklung und Durchführung umfassender Promotions und Kooperationen für 'Feuerherz', den neuen Film von Luigi Falorni“.

    Weil die Macher des Films glauben, das selbe Anliegen wie das Eritrea-Hilfswerk zu verfolgen, hat 3Rosen dem EHD vorgeschlagen, zusammen möglichst viele Menschen auf den Film die Situation von Kindern im Krieg aufmerksam zu machen – zum Beispiel mit gemeinsamen Veranstaltungen.

    Daraus wird nichts.

    Die Antwort des Hilfswerks auf das Kooperationsangebot ist eindeutig:

    „Sehr geehrte Frau XXX,

    in der Tat. FEUERHERZ ist ein sehr "bewegendes Drama", wie Sie schreiben. Das Drama besteht darin, dass der Film von Lügen, Verleumdungen und Halbwahrheiten (gerichtlich mittlerweile aktenkundig) strotzt.

    Das Eritrea Hilfswerk unterstützt seit über 30 Jahren die Menschen und vor allem die Kinder in Eritrea. Ich war mehrmals in den Kriegsjahren selbst für jeweils längere Zeit in Eritrea unterwegs. Ich habe dort Flüchtlingslager und Waisenheime gesehen. Ich habe dort erlebt mit welcher Fürsorge sich die Volksfront zur Befreiung Eritreas (EPLF) um das Wohl der Kinder kümmerte, die der Krieg zu Waisen gemacht hat.

    In der Diskussion um den Wahrheitsgehalt dieses "bewegenden Dramas Feuerherz" hat sich das EHD stets zurückgehalten und wird dies auch weiterhin tun. Gestatten Sie mir aber folgende Bemerkungen: Wir haben eine humanitäre Aufgabe, wir haben aber auch die Kenntnis dessen was wirklich in Eritrea in den Jahren geschah, als sich Filmemacher und Institutionen, die heute diesen Film unterstützen nicht darum geschert haben, dass äthiopische Flugzeuge mit Splitterbomben und Napalm Flüchtlingslager und Waisenheime angegriffen haben. Gordian Troeller, ein großer Filmemacher und hervorragender Rechercheur, mit dem ich in Eritrea zusammentraf hat dies und anderes dokumentiert.

    Senait Meharis Geschichte, das sollten Sie der gelaufenen Diskussion entnommen haben, ist wahrlich kein gutes geeignetes Beispiel um die Menschen auf den menschenverachtenden Einsatz von Kindersoldaten aufmerksam zu machen. Es gibt Filme über Kindersoldaten die mit knallharten Fakten und harten Tatsachen untermauert sind. Das "bewegende Drama Feuerherz" ist dagegen nicht geeignet, dieses Thema anzugehen. Dazu fehlen sachliche, historische und politische Grundlagen.

    Aufgrund dessen gibt es auch keinerlei thematische Verbindung zur Arbeit des Eritrea Hilfswerks. Für eine Zusammenarbeit unsererseits mit dem Filmverleih oder ihrer Marketingfirma sehe ich daher weder eine sachliche noch politische noch humanitäre Grundlage.

    Mit freundlichem Gruß

    Martin Zimmermann
    1. Vorsitzender des EHD“

    Wie zuvor mehrere andere Organisationen will also auch das Eritrea-Hilfswerk nicht mit „Feuerherz“ in Verbindung gebracht werden.

    Es wird interessant sein zu beobachten, ob sich bis zum Kinostart am 29. Januar 2009 ein Kooperationspartner findet, der seinen guten Namen dafür hergibt, dem von Senait Meharis dubiosem Bestseller inspirierten Film „Feuerherz“ Legitimität zu verleihen.

  • Feuerherz, der Film (13): Was seit der Berlinale dazu kam

    Im Februar 2008 hatte Luigi Falornis "Feuerherz" auf der Berlinale Weltpremiere. Fast ein Jahr später, am 29. Januar 2009, soll der Film nun in die Kinos kommen - und was man so hört, soll "Feuerherz" in der Zwischenzeit um zwei Elemente ergänzt worden sein, jedenfalls in der Version, die juengst auf einem Filmfestival zu sehen war. 

    Demnach beginnt der Film nun mit einem schriftlichen Vorspann.

    Auch das Ende von "Feuerherz" soll ergänzt worden sein.

    An die letzten bewegten Bildern, die zeigen, wie die Kindersoldatin Awet in die Wüste flüchtet und dort von Beduinen gefunden wird, sollen sich nun ein paar eingeblendete Sätze anschliessen, die erzählen wie es Awets Rebellenkommandantin und ihren Getreuen ergangen ist. Diese seien bald nach Awets Flucht im Kampf gefallen.

    Die Logik dahinter: Almaz Yohannes aka Agawegahta aber lebt.

    Ob's hilft?

    überarbeitet am 25.01.09

  • Feuerherz, der Film (12): Starttermin 29.01.2009

    Seit heute gibt es einen neuen Termin für den Bundesstart von Luigi Falornis "Feuerherz".

    Nach Angaben des Verbandes der Filmverleiher und der Senator Entertainment AG kommt die von Senait Meharis dubiosem Bestseller inspirierte Kindersoldaten-Parabel am 29. Januar 2009 in die Kinos. Der Film heißt nun "Feuerherz - Die Reise der jungen Awet".

    (ergänzt 11.11.08)

  • Feuerherz und Eritreas italienisches Vermächtnis

    Ab und an spühlt Google ein Fundstück an, das  einem bisher entgangen ist. Dieser Tage war es das Transkript einer Veranstaltung der Berlinale im Februrar 2008. 

    Das Thema: "Einen Bestseller in einen Wettbewerbsfilm verwandeln und sich für eine Strategie zu entscheiden, um ihn zu verkaufen" - am Beispiel von Feuerherz.

    Besonders heraus sticht dabei ein Zitat von Produzent Andreas Bareiss. Auf die Frage, warum Luigi Falorni die Regie übertragen wurde, hat Bareiss laut Transkript folgendes geantwortet:

    "Wir hatten an Luigi gedacht, weil wir dem Film einen dokumentarischen Anstrich geben wollten - und er  ein sehr guter Doku-Filmemacher ist. Dann haben wir herausgefunden, dass er zuvor schon einmal in Eritrea gewesen ist! Danach wurde uns bewusst, dass er Italiener ist und Eritrea eine frühere italienische Kolonie ist. Das war wirklich ein sehr eigentümlicher Zufall!"

    Eine subtile Beobachtung, die bestimmt  dazu beitragen wird, das Misstrauen mancher Eritreer gegenüber dem Film und seinen Machern zu zerstreuen...

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